Stabkerzen im Gottesdienstraum

In manchen Gottesdiensten wird die Beichthandlung mit Ritualen wie dem ablegen von Steinen oder dem Anzünden von Kerzen verbunden.

Bild: Kirchengemeinde Hallbergmoos/Scholz

Elemente des Gottesdienstes

Umkehren – die Beichte im Gottesdienst

Eine Sonderform des Gottesdienstes ist der Beichtgottesdienst. Er findet an besonderen Feiertagen (Buß- und Bettag) und Kirchenjahreszeiten (Passionszeit), mancherorts aber auch öfter statt.

Manche kennen sie noch aus der Jugendzeit: In der "Konfirmandenbeichte", die vielerorts  am Vorabend der Konfirmation gefeiert wird, bereiten sich die Jugendlichen auf das große Fest vor, blicken auf ihr bisheriges Leben, fragen nach dem, was nicht so gelungen ist und vollziehen oft in einer symbolischen Geste nach, dass Gott sie trotz ihrer Fehler liebt.

Aber nicht nur zur Konfirmation findet diese Selbstbesinnung statt: Zu Buß- und Bettag, in der Passionszeit und auch an anderen hat die Beichte im Gottesdienst einen wichtigen Platz. Sie setzt voraus, dass Menschen ihre eigene Schuld erkennen.  In der Beichte wenden sich Christen mit dem, was sie belastet, an Gott; sie erkennen, dass sie im Widerspruch zu Gott und in der Trennung von ihm leben. Sie bekennen, dass sie an Gott schuldig geworden sind und bitten um Vergebung ihrer Sünden. Sie empfangen Gottes Freispruch und erfahren darin Entlastung für ihr Gewissen. 

Die Verortung im Gottesdienst

Innerhalb des lutherischen Hauptgottesdienstes wird die Beichte meist im Zusammenhang des Abendmahls, im Eröffnungsteil oder nach der Predigt verortet. Lieder, Schriftlesungen und Predigt schaffen Raum für die persönliche Besinnung.

Barmherziger Gott,

wir bekennen, dass wir in Sünde gefangen sind und uns nicht selbst befreien können. Wir haben gegen dich gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch das, was wir getan, und durch das, was wir unterlassen haben. Wir haben dich nicht von ganzem Herzen geliebt, wir haben unsern Nächsten nicht geliebt wie uns selbst. Um deines Sohnes Jesu Christi willen erbarme dich unser. Vergib uns, erneuere uns und leite uns, dass wir Freude haben an deinem Willen und auf deinen Wegen gehen zur Ehre deines heiligen Namens. Amen

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Diese Gewissensprüfung geht meist den zehn Geboten entlang und formuliert Fragen, zum Beispiel: Welcher Mensch oder welche Sache ist dir wichtiger als Gott? Wer oder was beeinflusst dich am stärksten? Nimmst du dir bei deinen Planungen und Entscheidungen genügend Zeit zum Hören auf Gottes Wort? Fliehst du in Arbeit und Vergnügen? Mit welchen Menschen lebst du in Spannung? Auf die Selbstbesinnung bekennen alle in ihre Schuld - " wir haben gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch das, was wir getan und was wir unterlassen haben" - und erhalten Gottes Vergebung zugesprochen: "Euch sind eure Sünden vergeben!" Manchmal kann auch noch eine persönliche Segnung anschließen.

Die Einzelbeichte 

Nicht nur im Gottesdienst - auch im eigenen Beten setzen sich Christen mit dem Anspruch Gottes auseinander und nehmen die eigene Schuld wahr. Gottes unbedingte Zusage, die Sünde zu vergeben, ermöglicht es ihnen, Gott in der Stille ihre Fehler einzugestehen und um Vergebung zu bitten. In der Erinnerung an Gottes Liebe können die Betenden zu der Gewissheit gelangen, dass Gott sie von ihrer Schuld lossagt. Manches lässt sich jedoch nicht im stillen Beten bereinigen. Manche Schuld belastet so, dass erst das Reden darüber weiterhilft. Deshalb gibt es neben der Beichte im Gottesdienst auch die Einzelbeichte. Sie ist ein Gesprächsangebot, über erkannte eigene Schuld zu sprechen und Gottes Vergebung im persönlichen Zuspruch zu erfahren. Ein solches Gespräch steht immer unter dem Siegel der Verschwiegenheit.

13.08.2021
ELKB