Vikarinnen und Vikare

Das erste Mal

Das erste Mal auf der Kanzel

Das erste Mal auf der Kanzel

Bild: pastie @ iStock

Die Finger sind feucht, die Stimme zittert – wenn Vikare ihren ersten Gottesdienst halten, sind sie oft aufgeregt. Vikarin Manuela Urbansky aus München beschreibt, wie sie dieses Ereignis erlebt hat.

Pfarrerin – das will ich werden! Mit meinem Traumberuf als Ziel vor Augen bin ich vor einigen Jahren ins Theologiestudium gestartet. Und nun ist es geschafft: Das Examen ist bestanden. Das Theologiestudium - und damit der Theorieteil meiner Ausbildung - ist erfolgreich abgeschlossen. Jetzt geht es weiter mit der praktischen Ausbildung, dem Vikariat. Endlich ist es soweit: Ich darf nun mit all meiner Kraft und Energie mitarbeiten in einer  Kirchengemeinde mit all den vielfältigen Aufgaben, die hier zu erledigen sind. Nun heißt es nicht mehr Theorie pauken, sondern Religionsunterricht geben, Projekte mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren organisieren, taufen, konfirmieren, trauen, beerdigen, um nur Einiges zu nennen. Eines ist eine ganz besondere Herausforderung: Gottesdienste vorbereiten und sie mit der Gemeinde feiern. Entsprechend viel Respekt hatte ich vor dieser Aufgabe.

Zitat

Jahrelang habe ich Theologie studiert. Doch gelingt es mir jetzt, die richtigen Worte für diesen Bibeltext, an diesem Sonntag, für diese Gemeinde zu finden? Schaffe ich es, den Bibeltext so auszulegen, dass er relevant wird für die Gottesdienstbesucher, dass sie etwas mitnehmen können für ihr tägliches Leben?

Manuela Urbansky

Heilfroh bin ich, als mir mein Mentor eröffnet, dass er mich langsam an diese komplexe Aufgabe heranführen möchte. Im ersten Gottesdienst soll ich mich lediglich kurz der Gemeinde vorstellen – theologisch keine große Herausforderung, aber doch aufregend. Das erste Mal im Talar in der Kirche stehen, das erste Mal frei vor der versammelten Gemeinde sprechen, … Zwei Dinge gehen mir dabei ständig durch den Kopf: Nur nicht über den ungewohnt vielen schwarzen Stoff um mich herum stolpern und nur nicht beim Reden verhaspeln! Geschafft!

Weiter geht es mit der nächsten, der zweiten Stufe: eine Predigt halten, während mein Mentor die liturgischen Teile des Gottesdienstes übernimmt. Jetzt beginnen die theologischen Herausforderungen. Jahrelang habe ich Theologie studiert. Doch gelingt es mir jetzt, die richtigen Worte für diesen Bibeltext, an diesem Sonntag, für diese Gemeinde zu finden? Schaffe ich es, den Bibeltext so auszulegen, dass er relevant wird für die Gottesdienstbesucher, dass sie etwas mitnehmen können für ihr tägliches Leben? Wo kann ich anknüpfen an die Erfahrungen meiner Zuhörer?

Viel Vorbereitung, große Nervosität

Meine erste Predigt im Vikariat: Viel Vorbereitung, große Nervosität. Doch kaum stehe ich auf der Kanzel, beginnt meine Anspannung zu weichen. Von Satz zu Satz werde ich sicherer. Ich merke, wie die Gottesdienstbesucher interessiert zuhören, wie sie meinen Gedanken folgen. Dennoch bin ich erleichtert, als ich beim Amen angekommen bin und mich wieder zurück auf meinen Platz setzen darf. Auch diesmal: geschafft!

Pfarrerinnen und Pfarrer über ihre Premiere auf der Kanzel

Doch bald darauf folgt Stufe drei: mein erster allein gehaltener Gottesdienst – von der Begrüßung bis zum Segen. Plötzlich drängen sich Fragen auf, die ich mir zuvor noch nie so richtig gestellt hatte. Wie halte ich die Hände beim Segen, ohne dass es sonderbar aussieht? Wann stehe ich eigentlich am Altar, wann davor, wann am Rednerpult? Wie formuliere ich ein Gebet, das die Gemeinde mitbeten kann? Wie leite ich von einem Teil zum nächsten über? Fragen über Fragen. Noch größere Verantwortung und Anspannung. Da sitze ich, neben dem Mesner in der ersten Reihe in meinem Talar, an den ich mich inzwischen langsam gewöhnt habe. Es fühlt sich an, als wären alle Blicke auf mich gerichtet. Es folgt eine Stunde voll höchster Konzentration. Und doch gelingt es mir, den Gottesdienst nicht nur zu halten, sondern ihn mit der Gemeinde gemeinsam zu feiern – etwas Heiliges zu spüren, das geschieht und nicht in meiner Macht liegt. Nach dem Segen merke ich ganz deutlich: Pfarrerin – das will ich sein!

Zur Person

Manuela Urbansky, Bild: © privat

Manuela Urbansky

Manuela Urbansky ist Vikarin an den Dankeskirche in München Milbertshofen.


13.12.2017 / Manuela Urbansky
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Arbeiten bei der Kirche

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