Elemente des Gottesdienstes

Ankommen

Das Bild zeigt zwei Frauen, die eine Kirche betreten.

Aus dem Alltag heraustreten

Bild: Joel_Carillet @ iStock

Gottesdienst geschieht nicht im luftleeren Raum. Ich komme aus meinem bewegten Leben und bringe meine Welt in die Kirche hinein.

Das, was mich in den vergangenen Stunden und der zurückliegenden Woche beschäftigt, gefreut oder geärgert hat, meine Sorgen, meine Erfolge, meinen Streit, hat im Eingangsteil des Gottesdienstes Platz und wird in einer Art Dramaturgie entfaltet. 

Eröffnung des Gottesdienstes

Die Stille zu Beginn lässt mich zu mir selbst kommen und gibt mir Zeit für meine Gedanken und zum Atem holen. Das Glockenläuten macht bewusst: Dies ist ein besonderer Tag in der Woche. Die Musik zum Eingang stimmt ein auf die Begegnung mit Gott. Im Eingangslied komme ich selbst zu Wort. Aber ich singe nicht allein. Im Mitsingen der alten und neuen Texte erleben sich die Gottesdienstbesucher als Gemeinde, die Gott feiert.

Erst jetzt tritt der Gottesdienstleiter/die Gottesdienstleiterin in Aktion. Er/sie begrüßt die Gemeinde und macht im Votum deutlich, in wessen Namen sie versammelt ist: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Gott, keine andere Macht, steht über dieser Feier. Die Gemeinde bekräftigt das mit dem hebräischen "Amen", ja, "so ist es /so soll es sein".

Ankommen bei Gott 

Mit einem so genannten Vorbereitungsgebet wendet sich nun die Gemeinde an Gott. In traditionellen Gottesdiensten wird an dieser Stelle das Confiteor gesprochen: Ein knappes, formelhaftes Schuldbekenntnis mit der Bitte um Vergebung ("Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben"), gefolgt von einem Zuspruch der Gnade und Liebe Gottes. Der Mensch kann vor Gott nicht bestehen. Er bedarf täglich neu der Vergebung. Dies wird zum Beginn des Gottesdienstes dargestellt: Alles, was belastet und trennt, kann in dieser Stunde vor Gott abgelegt werden.

Modernere Gottesdienste bevorzugen heute oft das Eingangsgebet. In einfacher Sprache und mit Impulsen und Elementen der Stille geben sie dem Einzelnen Gelegenheit, vor Gott zur Besinnung zu kommen. Letztlich geschieht in beiden Formen das Gleiche: ein Ankommen bei Gott und ein Ablegen dessen, was den Menschen belastet. Manche vergleichen das Eingangsgebet mit der Garderobe in einem Haus: Ohne Gepäck, das mich belastet, kann ich dem Gastgeber viel freier begegnen.

Einstimmung mit Psalmen

Der Introitus, das Psalmgebet, ist seit dem frühen Mittelalter Bestandteil des Gottesdienstes. In Bayern wird er in den meisten Gemeinden sonntäglich im Wechsel gesungen oder gesprochen. Ursprünglich sangen sich die Mönche die Psalmverse von Chorgestühl zu Chorgestühl oder von Empore zu Empore zu. Jedem Sonntag ist ein anderer Psalm zugeordnet, eines jener uralten Lieder aus dem Gottesdienst des Volkes Israel, die die Fülle des Lebens - Lob und Klage, Dank und Zorn, Ermutigung und selbst das Bedürfnis nach Rache - vor Gott bringen.

Kyrie und Gloria

Meist unmittelbar daran schließen sich Kyrie und Gloria an – ebenfalls Wechselgesänge zwischen dem Liturgen/der Liturgin und der Gemeinde.

Kyrie eleison – Herr erbarme dich
Christe eleison – Christus erbarme dich
Kyrie eleison – Herr erbarm dich über uns.

Mit diesem Huldigungsruf, der in der Antike weltlichen Herrschern galt, bekennen die Christen, dass allein Gott die Anbetung gebührt. Seine Herrschaft steht über aller weltlichen Macht und relativiert die Absolutheitsansprüche totalitärer Staaten. Der dreimalige Ruf erinnert daran, dass sich Gott in drei Personen offenbart hat: als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Das Gloria (Ehre sei Gott in der Höhe – und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen) und das nachfolgende Lied bestärken diese Aussage: Allein Gott in der Höh sei Ehr'. 

Bereit werden für Gottes Wort

Nach dem Ankommen und Ablegen vor Gott, nach dem Lob seiner Herrlichkeit und dem Bekenntnis zu seiner Macht ist der Gottesdienstbesucher eingestimmt auf die Begegnung mit Gottes Wort. Im Tagesgebet oder Kollektengebet, das nichts mit der später eingesammelten Kollekte, sondern mit seinem zusammenfassenden Charakter zu tun hat, wird das Thema des Gottesdienstes benannt und auf die Lesungstexte hingeführt. Kennzeichnend für dieses Gebet ist seine strenge, altertümlich anmutende Form. Jahrhundertelang wurde es vom Liturgen auf einem Ton gesungen.


05.10.2017 / ELKB
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