Mesner

"Jeder Gottesdienst ist besonders"

Mesner

Helmut Mehrbrodt beim Sonntagsgottesdienst in St. Matthäus in München.

Bild: privat

Der Mesner ist die gute Seele in jeder Kirche. Er pflegt, wartet und repariert, er unterstützt im Gottesdienst und ist für die Gemeinde da. Helmut Mehrbrodt ist die gute Seele in St. Matthäus.

Helmut  Mehrbrodt ist 49 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder, zwei Enkelkinder und ist gebürtiger Siebenbürger Sachse. 1995 ist der gelernter Maschinenbauer aus seiner ländlichen Gemeinde in Baden-Württemberg in die Münchener Innenstadtgemeinde und Bischofskirche St. Matthäus gekommen und ist dort seit dem als Mesner tätig.

Herr Mehrbrodt, was hat Sie aus Siebenbürgen nach München gebracht?
Die Stellenausschreibung der Gemeinde St. Matthäus in der Zeitung. Ich war mit meiner Heimatgemeinde schon sehr verbunden und auch ehrenamtlich als Mesner tätig. Ich habe mich auf die Stelle in München in guter Hoffnung beworben, bin genommen worden und noch immer glücklich, damit als Quereinsteiger in den Beruf als Mesner gewechselt zu haben.

Wie sieht ihr Alltag als Mesner aus?
Der Kern sind natürlich die Gottesdienste. Die Sonntagsgottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern, aber auch das Mittagsgebet am Mittwoch und die Andacht am Freitagabend. Die bereite ich alle vor, kaufe alles Nötige ein, richte die Kirche dafür her. Der Abendmahlswein und die Hostien müssen an Ort und Stelle sein, die Heizung, Licht und Lautsprecher müssen an sein. Ich zünde die Kerzen an und unterstütze auch während des Gottesdienstes, bei der Kollekte oder beim Abendmahl. Unsere Gottesdienste in St. Matthäus werden von unterschiedlichen Pfarrern gefeiert, da hat jeder so seine Wünsche und individuellen Vorstellungen. Die möchte ich gern erfüllen und wünsche mir, dass sich in unserer Kirche alle wohlfühlen.

Zitat

Wenn mal jemand etwas in der Bank liegengelassen hat,  kann ich das meist schnell zurückgeben, weil ich weiß, wer dort gesessen hat.

 

Helmut Mehrbrodt

Und während der Woche? Was sind die Aufgaben des Mesners?
Wenn ich morgens komme, schließe ich zuerst die Kirche auf und sorge für Ordnung sowohl drinnen als auch davor. Ich sehe nach, ob alles funktioniert, repariere im Zweifel und erledige Besorgungen. Darüber hinaus haben wir sieben Räume unter der Kirche in den Katakomben und im Turm, die wir auch vermieten, um die ich mich ebenfalls kümmere und für die jeweiligen Veranstaltungen mit allem Nötigen ausstatte. Außerdem sind insgesamt sieben Pfarrer an die Gemeinde angegliedert, darunter zum Beispiel Studenten- und Krankenhauspfarrer. Die haben alle oft verschiedenste Aktivitäten geplant, bei denen ich sie unterstütze und helfe, sie zu realisieren.

Wie nah sind Sie als Mesner den Gemeindegliedern?
Ich glaube, in vielen Fällen ist der Mesner ein Bindeglied zwischen Pfarrer und Gemeindeglied. Ich werde oft angesprochen, die Menschen wissen, wie beschäftigt die Pfarrer sind, da entsteht dann machmal eine Hürde. Deshalb kommen einige mit ihren Anliegen erst mal zu mir. Obwohl wir eine so große Kirche haben, mit mehr als 1100 Plätzen, haben wir wegen der besonderen Innenstadtlage relativ wenig Gemeindeglieder. Das ist schade.
Aber natürlich kenne ich unsere Gemeinde sehr gut und weiß, wo jeder einzelne im Gottesdienst sitzt. Wenn mal jemand etwas in der Bank liegengelassen hat, kann ich das meist schnell zurückgeben, weil ich weiß, wem es gehört, wer dort gesessen hat.

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Was sind die besonderen Momente in ihrem Arbeitsalltag?
Die Gottesdienste! Darin verbindet sich einfach alles: das Wort, die Musik, die Stimmung, die Gemeinde. Jeder Gottesdienst für sich ist besonders.
Aber wir haben als Bischofskirche auch immer wieder Rundfunk- oder Fernsehgottesdienste in unserer Kirche. Das ist jedes Mal viel Aufwand, da macht man sich keine Vorstellung. Ich werde in der Woche davor permanent bei den Aufbauten und Vorbereitungen benötigt. Die brauchen mich dann in jeder Sekunde.

Tauschen Sie sich viel mit anderen Mesnern aus?
Überraschenderweise kommen sehr viele Mesner aus dem Raum München ursprünglich aus Siebenbürgen. Meist treffen wir uns freitags im Dekanat beim Abholen der Post. Wir Mesner aus den sechs Kirchengemeinden in der Innenstadt versuchen auch, uns regelmäßig zu treffen und auszutauschen.

Was treibt sie jeden Tag an? Warum würden Sie den Job nicht wechseln wollen?
Wegen der Menschen natürlich. Sie kommen mit ihren Sorgen zu uns in die Kirche, können für eine Zeit vergessen und gehen gestärkt nach Hause. Das ist schön. Außerdem kann ich in meinem Beruf für andere Menschen da sein.

Was macht ein Mesner?

Mesner Andreas Jope aus der Christuskirche in Poing erzählt von seinen Aufgaben als Mesner.