Gottesdienst im Seniorenheim

„Ich will euch tragen bis ins Alter“

Drei Seniorinnen beim Gebet im Gottesdienst

Beim Gottesdienst im Altenheim erfahren die Bewohnerinnen und Bewohner Gemeinschaft und können durch vertraute Lieder und Texte an Erinnerungen anknüpfen.

Bild: Helmut Unglaub

Eine dichte Atmosphäre, ehrenamtliches Engagement und so manche überraschende Wendung kennzeichnen die Gottesdienste im Seniorenheim, berichtet Nina Lubomierski, Altenheimseelsorgerin in Landshut.

„Ich feiere besonders gerne Gottesdienste im Altenheim, weil sich die Menschen dort so freuen, wenn ich komme“, gesteht mir ein Prädikant. Ich kann ihm nur beipflichten, denn es geht mir genauso.

Als Altenheimseelsorgerin liegen mir Gottesdienste besonders am Herzen, weil die Bewohner beim Gottesdienst Gemeinschaft erfahren, weil sie durch die vertrauten Texte und Lieder an Erinnerungen anknüpfen können und weil ich ihnen eine wichtige Botschaft übermitteln möchte: „Gott spricht: ich will euch tragen bis ins Alter.“ (Jes 46,4)

Dabei sind die Gottesdienste so unterschiedlich wie die Heime, in denen sie stattfinden: ich feiere in einer Jugendstil-Kapelle oder in Mehrzweckräumen, mit der Begleitung durch eine Organistin oder mit Musik aus dem CD-Player, mit acht Gottesdienstbesuchern oder vor 40. In einigen Häusern bringen die Schwestern die Bewohnerinnen zum Gottesdienst, in anderen gibt es ehrenamtliche Helferkreise, die sich um das Holen und Zurückbringen kümmern.

Für Besucher, Angehörige und Pflegekräfte

Pfarrerin Nina Lubomierski beim Gottesdienst in einem Seniorenzentrum in Landshut

Gottesdienste im Seniorenheim sind oft sehr gut besucht.

Bild: privat

Gleich ist in allen Heimen, dass ich kurze Gottesdienste feiere, die sich auf einen Hauptgedanken konzentrieren. Ich elementarisiere ohne zu banalisieren, damit sowohl Demenzerkrankte als auch die Angehörigen oder Pflegekräfte, die manchmal im Gottesdienst dabei sind, dem Gedankengang folgen können. Bekannte Texte und Lieder laden die  Bewohner ein, sich an der Liturgie zu beteiligen und Geborgenheit zu erfahren. Auch feiere ich fast immer Abendmahl, da es die Zuwendung Gottes zu den Menschen sinnlich erfahrbar werden lässt. Bei der Austeilung benötige ich Hilfe beim Tragen von Patene und Kelch, denn ich gehe durch die Reihen zu den Menschen hin.

Ungefilterte Rückmeldungen

Deshalb und auch weil Gottesdienste hin und wieder unterbrochen werden müssen, weil z.B. eine Bewohnerin aufs Zimmer möchte, ist es gut, wenn mindestens eine Ehrenamtliche oder Schwester während des Gottesdienstes anwesend ist und mich unterstützen kann.

Gottesdienste im Altenheim haben eine besonders dichte Atmosphäre und ich erhalte viel ungefiltertere Rückmeldungen als sonst. So kann passieren, dass mir bei der Predigt ein Bewohner mit einem lauten: „Genau!“ beipflichtet oder mir auf eine Frage mit einem Kopfschütteln geantwortet wird. Diese Nähe zu den Gottesdienstbesuchern und zugleich ihre Dankbarkeit machen Gottesdienste im Altenheim so unvergleichlich schön!

Zur Person

Nina Lubomierski, Bild: © privat

Nina Lubomierski

Dr. Nina Lubomierski ist seit 2012 Pfarrerin mit dem Schwerpunkt Altenheimseelsorge im Dekanat Landshut.


06.11.2017 / Lubomierski