Kirchenmusiker

Besondere Musik in einer besonderen Umgebung. Kirchenvorsteher Dieter Ehlers leitet den Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Bogen beim Berggottesdienst auf dem Predigtstuhl.

In Bayern bringen 126 Kantorinnen und Kantoren und rund 2.400 neben- und ehrenamtliche Kirchenmusikerinnen den christlichen Glauben im Gottesdienst zum Klingen.

Kirchenmusik stärkt Lob, Gebet und Bekenntnis, sie betont den festlichen Charakter und dient der Beheimatung der Menschen im Gottesdienst. Ein blühendes kirchenmusikalisches Leben ist ein großer Schatz.

Zitat

Unsere Kirche lebt vom Einsatz, der Begeisterung, der Liebe zum Gottesdienst und den Fähigkeiten der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Ohne sie wäre ein kirchenmusikalisches Leben in unserer Kirche noch dazu in dem Reichtum und der Vielgestaltigkeit überhaupt nicht möglich.

Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr

Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr übt die Fachaufsicht über die Kirchenmusik in der bayerischen Landeskirche aus. Welche Rolle haben Kirchenmusikerinnen im Gottesdienst? Wir bereitet sich der Kirchenmusiker auf seine Aufgabe vor? Wir haben ihn befragt.

Welche Funktion hat die Musik im Gottesdienst?

Knörr: Die Kirchenmusik holt die Gottesdienstbesucher zu Beginn ab, sie unterstützt instrumental und vokal die Gemeinde beim Singen, sie vertieft das durch die Lesungen und den Predigttext intonierte Thema des Sonntags mit geeigneter Vokal – und Instrumentalmusik, sie gestaltet die Austeilung im Rahmen der Abendmahlsfeier als besonderen Moment des Gottesdienstes und begleitet am Ende die Gemeinde wieder in den Alltag hinein. Die Kirchenmusik hat im Gottesdienst Anteil am Verkündigungsauftrag der Kirche.

Mehr zum Thema

Welche Rolle haben der Kirchenmusiker und die Kirchenmusikerin dabei?

Knörr: Der Gottesdienst ist für den Kirchenmusiker die zentrale Gemeindeveranstaltung der Woche. Musiziert er mit seinen Ensembles, fließt die Freude daran in den Gottesdienst mit ein und springt auf die Gemeinde und die Musiker über. Der Organist wird sein ganzes Herzblut in alle Teile seines musikalischen Parts im Gottesdienst legen von der Auswahl der freien Orgelstücke, über die Wahl der Choralvorspiele bis hin zur Gestaltung der einzelnen Strophen der Lieder, die dann am besten gelingt, wenn der Inhalt des jeweiligen Textes durch Registrierung und Harmonisierung dargestellt wird.

Wie bereitet sich der Kirchenmusiker auf seine Aufgabe vor?

Knörr: Kirchenmusikerinnen leben sehr stark mit dem Kirchenjahr. Die Organisten informieren sich im liturgischen Kalender über die Lesungen des Gottesdienstes und entnehmen diesem auch das Wochenlied. Hat der Liturg seine endgültigen Entscheidungen für die Liedauswahl getroffen, wählt der Organist Begleitsätze, Vorspiele und Intonationen, Eingangs – und Schlussstück passend aus und übt am Instrument die zu spielenden Stücke und Lieder ein.

Das Bild zeigt die Hände einer Orgelspielerin,© Furtseff @ iStock

Bild: Furtseff @ iStock

EG 27 – Lobt Gott, ihr Christen alle gleich

Musik und Komposition: Bastian Efta, Gesang: Beate von Hahn

Bei den hauptberuflichen Kantorinnen und Kantoren ergibt sich im Bereich der Gottesdienstvorbereitung häufig auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Liturgen. Es werden zum Beispiel Lieder gemeinsam ausgewählt, oder der Kantor erstellt den Liedplan, und der Liturg wählt das Predigtlied aus. Bei besonderen Gottesdiensten, zum Beispiel bei Familiengottesdiensten, geschehen die Vorbereitung von Gottesdienstablauf und die Liedauswahl meist in einem Team.

Und am Sonntag? Wie sieht der Sonntag eines Kirchenmusikers aus?

Knörr: Der Sonntag des Kirchenmusikers wird von der Anzahl der Gottesdienste und Kasualien bestimmt, die der Kirchenmusiker übernehmen wird. In manchen Gemeinde gibt es zum Hauptgottesdienst noch einen Frühgottesdienst oder einen Spätgottesdienst, einen Kindergottesdienst, einen Familiengottesdienst oder einen Themengottesdienst, manchmal findet der Hauptgottesdienst als Abendmahlsgottesdienst oder mit Taufen statt, die auch im Anschluss an den Gottesdienst in einem eigenen Gottesdienst gefeiert werden können. Alle Gottesdienste werden von den Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern begleitet. Dafür sind die Musiker schon zeitig vor Gottesdienstbeginn an ihrem Instrument. Ist eine kirchenmusikalische Gruppe an der Gestaltung eines Gottesdienstes beteiligt, gibt es dafür eine extra Anspiel- oder Ansingprobe eine halbe oder dreiviertel Stunde vor dem jeweiligen Gottesdienst.

Sind die Kantoren jeden Sonntag im Einsatz?

Knörr: Der nebenberufliche Kirchenmusiker kann seinen Dienst je nach Dienstvertrag selber einteilen, die hauptberuflichen Kantorinnen und Kantoren haben im Quartal zwei dienstfreie Sonntage.

St. Jakob, Rothenburg Kirchenraum,© ELKB

Bild: ELKB

Schlussstücke führen die Gemeinde wieder in den Alltag hinein.

Kantorin Jasmin Neubauer an der Rieger-Orgel in der Kirche St. Jakob in Rothenburg

Wie bringen die Kirchenmusiker Vielfalt und neue Lieder in den Gottesdienst?

Knörr: Ein Gottesdienst ist keine Chorübungsstunde. Neue Lieder können vor Beginn des Gottesdienstes mit der Gemeinde angesungen werden. Bei unserer Großen Kirchenmusikalischen Prüfung für das Nebenamt (C-Prüfung) gibt es das Fach „Gemeindesingleitung“, das befähigen soll, die Gemeinde zu motivieren, neues Liedgut kennen- und singenzulernen. Wichtig ist dann aber die Wiederholung des Erlernten, dass ein solches neues Lied in den Gottesdiensten der darauffolgenden Wochen immer wieder gesungen wird, bis es im Repertoire der Gemeinde beheimatet ist. In manchen Gemeinden treffen sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes mit dem Organisten in regelmäßigen Abständen, um für ein Jahr oder einen anderen Zeitraum Lieder auszuwählen, die man mit der Gemeinde gemeinsam lernen will. Diese werden dann im Verlauf der Sonntage im Kirchenjahr in die Liedauswahl eingefügt.

Wie viele Menschen gestalten denn die vielen Gottesdienste in Kirchen, an Flüssen, in den Bergen, im Grünen?

Knörr: 126 Kantorinnen und Kantoren und rund 2.400 neben- und ehrenamtliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker gestalten die Kirchenmusik unserer Landeskirche. Dazu kommen die vielen Chöre, Kreise, Bands, Ensembles in den Gemeinden, Regionen und Kirchenkreisen. Unsere Kirche lebt vom Einsatz, der Begeisterung, der Liebe zum Gottesdienst und den Fähigkeiten der Musikerinnen und Musiker. Ohne sie wäre ein kirchenmusikalisches Leben in unserer Kirche - noch dazu in dem Reichtum und der Vielgestaltigkeit - überhaupt nicht möglich. Das Blühen und die Förderung gerade auch der nebenberuflichen Kirchenmusik in unserer Landeskirche ist ein Schwerpunktanliegen, dass in unseren Gottesdiensten die Kirchenmusik nicht verstummt.


21.03.2018 / Andrea Seidel
Artikelbild

„Das ist ein Glück, das sitzt im Herzen“

980 evangelische Chöre gibt es in Bayern. In einem Chor mitzusingen empfinden die Menschen als etwas ganz Besonderes. | mehr

Artikelbild

Ein besonderes Instrument zur Verkündigung

Im Christentum hat Kirchenmusik eine lange Geschichte. Heute ist sie aus der Kirche nicht wegzudenken. Kirchenmusik trifft die Gottesdienstbesucher ins Herz. | mehr

Artikelbild

Himmlischer Notenschlüssel

Musik kann uns ergreifen und euphorisch stimmen aber auch in Melancholie versetzen und nachdenklich machen. | mehr