Elemente des Gottesdienstes

Gemeinschaft feiern – Abendmahl

Friedensgruß beim Abendmahl

„Friede sei mit Dir“ – Abendmahl kann nur in Gemeinschaft gefeiert werden. Deswegen gehört der Friedensgruß zu jeder Feier dazu.

Bild: McKee

Im gemeinsamen Essen und Trinken wird die Gegenwart Jesu Christi in der versammelten Gemeinde besonders sinnfällig.

In diesem von Jesus selbst eingesetzten Ritus ist Gott den Christen besonders nahe. Während man in früheren Jahrhunderten das Abendmahl in der lutherischen Kirche auf wenige Hochfeste im Jahr beschränkte, wird es heute in den meisten Gemeinden ein- bis zweimal im Monat gefeiert. Den Charakter des Besonderen hat es nicht verloren. Davon zeugt auch die feierliche liturgische Form, die in Teilen von Gemeinde zu Gemeinde variieren kann.

Gabenbereitung

In machen Traditionen führt eine Gabenbereitung auf das Mahl hin. Brot und Wein werden herein getragen. Ein altkirchliches Gabengebet knüpft die Verbindung zwischen dem aus vielen Körnern gewonnenen Brot und der (gegenwärtigen und endzeitlichen) Versammlung der Gemeinde. Es setzt das Abendmahl damit in einen zeit- und weltumspannenden Bezug und verweist auf die Gemeinschaft der Glaubenden: So wie das Brot Christi Leib ist, so sind auch die, die sich im Glauben an Jesus Christus zusammenfinden, Glieder an seinem Leib.  

Präfation und Großes Lobgebet

Die Präfation, der Vorspruch zum Großen Lobgebet, hat uralte Wurzeln. Mit diesem Wechselgesang aus dem dritten Jahrhundert erhebt der Gläubige seine Seele zu Gott und erkennt ihn als den Herren an:

Der Herr sei mit euch – und mit deinem Geist
Die Herzen in die Höhe – wir erheben sie zum Herrn
Lasst uns Dank sagen dem Herren unserm Gotte – Das ist würdig und recht.

Das Präfations- oder Große Lobgebet entfaltet das Lob, es erzählt von dem Heil, das Jesus Christus den Menschen gebracht hat und reiht die Christen ein in den himmlischen Jubel, das Sanctus:

Heilig heilig heilig ist der Herre Zebaoth,
alle Land sind seiner Ehre voll, Hosianna in der Höhe.
Gebenedeit sei der da kommt, im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe.

Dieser Liedruf der Gemeinde erinnert sowohl an den Lobgesang der Engel (Jes 6,3) im Himmel als auch an den Einzug Jesu in Jerusalem: Derjenige, dem die Mächte des Himmels singen, ist kein anderer als Jesus. 

Einsetzungsworte

Nach der Bitte um den Heiligen Geist (Epiklese), folgt das Heiligste des Abendmahls: In den oft  gesungenen Einsetzungsworten, erinnert der Liturg an das letzte Abendmahl Jesu und vergegenwärtigt die Stiftung des Sakraments: 

„Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset: Das ist + mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: Das ist + mein Blut des neuen Testaments, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr′s trinket, zu meinem Gedächtnis.“

Oft antwortet die Gemeinde darauf mit dem „Geheimnis des Glaubens“: „Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Mit der Feier des Abendmahls geben Christen diese Tradition weiter und hört nicht auf, auf die Wiederkunft Christi zu hoffen.

Vaterunser und Friedensgruß

Nach einem Gebet, das noch einmal das Heilsgeschehen beschreibt (Anamnese), wird das Gebet Jesu, das Vaterunser gesprochen.  Dass das Abendmahl nicht nur ein Geschehen zwischen Mensch und Gott ist, sondern dass auch das Verhältnis zwischen den Menschen nicht unberührt bleiben soll, zeigt der Friedensgruß. Der gesungene Wunsch des Liturgen/ der Liturgin oder auch ein persönliches Zeichen zwischen den Gottesdienstbesuchern macht deutlich: Wer gemeinsam am Altar das Abendmahl empfängt, kann nicht in Feindschaft leben. 

Austeilung

Mit dem Agnus dei beginnt die Austeilung des Abendmahls. Gott benötigt keine Opfer mehr, besagt dieser etwas sperrige Gesang. Seit Jesus Christus ist kein Opfer mehr nötig, um sich Gottes Gnade sicher zu sein. Deshalb befehlen sich die Christen seinem Erbarmen, seiner Güte an. Evangelische Christen empfangen das Abendmahl in "beiderlei Gestalt" in Brot und Wein (Saft) unter der Zusage: Christi Leib für dich gegeben/Christi Blut für dich vergossen, oder: das Brot des Lebens/der Kelch des Heils für dich. In den meisten Gemeinden bilden die Gottesdienstbesucher einen Kreis um den Altar, essen Brot und trinken Wein. Aber auch die Wandelkommunion (Hostie und Wein werden im Gehen empfangen) oder die Intinctio (Eintauchen des Brotes in den Wein) sind häufig praktizierte Formen. Hier hat jede Gemeinde ihre eigene Tradition. Seit einigen Jahren sind in vielen Regionen Kinder beim Abendmahl willkommen. Andere knüpfen die Zulassung zum Abendmahl an die Konfirmation. Mit einer Danksagung und einem Dankgebet schließt die Feier des Abendmahls. 

 

 


05.10.2017 / Anne Lüters